Seniorenwegweiser Singen

5. Finanzielle Hilfen und Vergünstigungen 54 Antragstellung und Begutachtung Wer pflegebedürftig ist, erhält – auf Antrag – Leis- tungen der Pflegeversicherung. Die Antragstellung erfolgt bei der zuständigen Pflegekasse. Dabei gilt, Pflegekasse ist gleich Krankenkasse. Den Antrag kön- nen Sie selbst oder eine von Ihnen bevollmächtigte Person (Familienangehörige, Freunde oder Nach- barn) stellen. Die Pflegekasse beauftragt den Medi- zinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürf- tigkeit. Insgesamt gibt es fünf Pflegegrade. Zur Bestimmung des Pflegegrades betrachtet der Gutachter sechs ver- schiedene Lebensbereiche. Für jeden Lebensbereich vergibt der Gutachter, je nachdemwie viel Unterstüt- zung im Alltag benötigt wird, eine Anzahl von Punk- ten. Diese Punkte fließen mit unterschiedlicher Ge- wichtung in die Bewertung ein. Am Ende ergibt sich ein Gesamtpunktwert, nach dem sich der Pflegegrad bestimmt. Je nach Pflegegrad und Pflegesituation werden unterschiedliche Leistungen gewährt. Einen Überblick der Leistungsbeträge erhalten Sie in der Tabelle auf Seite 55. Die Leistungen der Pflegeversicherung Leistungen bei häuslicher Pflege Pflegegeld und Pflegesachleistungen Pflegegeld gibt es für die Betreuung und Pflege durch Angehörige, Nachbarn oder Freunde zu Hause. Pfle- gesachleistungen nennt man die Hilfe von professio- nellen Pflegediensten. Pflegegeld und Sachleistun- gen können auch kombiniert werden. Das bedeutet, einen Teil der Pflege können Angehörige oder Freun- de übernehmen. Dafür erhält man Pflegegeld. Den anderen Teil der Pflege übernimmt ein mobiler Pfle- gedienst. Dafür erhält der Pflegedienst Geld von der Pflegekasse. Angebote zur Entlastung im Alltag Pflegebedürftige aller Pflegegrade, die zu Hause ge- pflegt werden, können zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Die- se sollen Pflegebedürftige und pflegende Angehö- rige unterstützen, z.B. durch eine Hilfe im Haushalt. Darunter fallen auch Angebote, die soziale Kontak- te und Aktivitäten fördern, wie Vorlesen, Begleitung bei Spaziergängen oder sonstigen Erledigungen. Der Entlastungsbetrag kann auch zur (Ko-)Finanzierung einer Tagespflege oder der Kurzzeitpflege eingesetzt werden. Der Betrag für diese Entlastungsleistungen beträgt einheitlich 125 Euro im Monat für alle Pflegegrade. Dieser wird nicht ausbezahlt, sondern dient der Er- stattung für in Anspruch genommene Leistungen von anerkannten Anbietern. Nicht ausgeschöpfte Beträge können innerhalb des Kalenderjahres in die Folge- monate geschoben werden. Am Ende des Kalender- jahres können nicht verbrauchte Beträge in das da- rauffolgende Halbjahr übertragen werden. Wenn die 125 Euro pro Monat nicht ausreichen, kön- nen Pflegebedürftige einen Teil ihrer Pflegeleistun- gen umwidmen lassen. Auf diese Weise lassen sich bis zu 40 Prozent des Betrags für Pflegesachleistun- gen für Betreuungs- und Entlastungsleistungen nut- zen. Das ist sinnvoll, wenn diese nicht für die Pflege benötigt werden. Für diese Umwidmung ist ein Antrag bei der Pflegekasse nötig. Pflegehilfsmittel Hierunter fallen Geräte und Sachmittel, die zur häus- lichen Pflege notwendig sind, diese erleichtern und dazu beitragen, dass eine eigenständige Lebens- führung gewährleistet werden kann. Die Pflege- kasse unterscheidet dabei zwischen technischen Pflegehilfsmitteln, wie etwa ein Pflegebett oder ein Notrufsystem und Verbrauchsprodukten, wie zum Beispiel Einmalhandschuhe. Technische Hilfsmittel werden meist leihweise oder gegen eine Zuzahlung zur Verfügung gestellt. Kosten für Verbrauchsprodukte werden bis zur Höhe von 40 Euro imMonat erstattet. Dies gilt für alle Pflegegrade.

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